Schlagwort-Archive: Kurzgeschichte

Schnipsel: Saisonarbeiter

Es ist mal wieder Schnipsel-Zeit und das bedeutet auch, dass ich nach sehr, sehr langer Abstinenz endlich mal wieder eine kleine Geschichte niedergeschrieben habe. OK, nicht ganz ohne „Motivation“ durch Dritte. ;)
Entstanden ist die Geschichte bereits am 30.11. diesen Jahres, was nicht zwingend relevant ist, aber das Ende dann doch noch etwas passender macht.

Viel Spaß beim Lesen.
Gruß
Peter

Mit gemischten Gefühlen aus Zorn und Genervtheit sah Pumpernickel auf das Whiteboard mit dem aktuellen Einsatzplan. Die anderen hatten sich mal wieder die ganzen interessanten Aufgaben vor ihm geschnappt und der sprichwörtliche Unrat blieb für ihn übrig. Es war wie, wenn er beim Bau eines seiner Modellautos wieder so ein Kleinteil hatte, das einfach nicht halten wollte. Wo schlicht der Sekundenkleber nicht seinem Namen gerecht werden wollte und ganz langsam aber dann immer stärker und stärker die Frustration in einem hochstieg.
Bis zum dem Punkt, wo sie begann schmerzhaft zu werden und man am liebsten explodieren wollte. Einfach das mistige Plastikauto mit aller Wucht und laut brüllend auf den Boden schmettern, dann drauftreten und auf ihm herumspringen und weiterbrüllen und noch mehr brüllen bis alles ganz zerquetscht und zertrümmert war. Und falls einem jemand dabei zusieht und sagen will, wie wahnsinnig man doch ist und dass es sich nur um ein Modellauto handelt, dann schnappt man sich das Bastelmesser, prüft, ob er schnell genug laufen kann, und sorgt dann dafür, dass er oder sie endgültig die Klappe hält.
...
Sein Herz hämmerte.
Pumpernickel atmete ganz langsam und ganz tief ein und dann wieder aus, bis die wahnsinnigen Stimmen in seinem Kopf wieder verstummt waren.
„Beruhig dich. Es ist nur ein Job“, flüsterte er sich selbst zu.
Neben ihm raschelte etwas und als er sich umdrehte sah er Zimtstern, die ihn halb fragend halb irritiert ansah.
„Ist alles in Ordnung mit dir, Pumper?“
Mit einem weiteren Atemzug kämpfte er noch etwas mehr von Zorn und Wahnsinn nieder, denn er mochte Zimtstern. Sie war eine der wenigen Arbeitskollegen, die wirklich nett zu ihm waren.
Schließlich nickte er und bestätigte mit einem halblauten „Ja“ und einem knappen Lächeln, das so freundlich war wie es eben gerade ging.
„Was hast du denn heute zu erledigen?“, fragte Zimtstern mit sanfter Stimme.
Pumper hielt ihr etwas missmutig sein Tablet mit der Aufgabenliste hin.
„Oh…“, entgegnete sie etwas ernüchtert.
Er drehte das Gerät wieder zu sich und überflog die Liste selbst noch einmal.

1. 57 Schwarze Plastiktüten in den Büschen an den Autobahnen verteilen.
...um Autofahrern Panik zu bereiten, weil die Tüten bei schneller Vorbeifahrt gerne mal nach einer Radarfalle aussahen.
2. Bei 84 zufälligen Autos die Scheiben mit extra viel Wasser besprühen.
...denn für die nächste Nacht war Frost angekündigt und die Besitzer sollten am Morgen ja auch etwas zu tun haben.
3. 214 einzelne Schuhe entwenden. Keine Paare!
...Warum? Siehe 4tens.
4. 214 Schuhe an möglichst abwegigen Orten auf öffentlichen Straßen auslegen. Autobahnen bevorzugt.
...Wo kommen sonst immer diese herrenlosen, einzelnen Schuhe her?
5.8132 Löcher in frisch gewaschene Socken schneiden. Nur ein Lock pro Socke! Keine Paare!
...Muss man da ehrlich noch fragen warum?

Und so weiter und so fort. Die Liste hatte insgesamt 50 solcher undankbaren Punkte und bei jedem musste man höllisch aufpassen, dass man nicht von den Menschen erwischt wurde. Wie gut hatten es da nur Drillinge Printe, Honigkuchen und Spekulatius... die drei waren einfach ein so gutes Team, dass sie sich ständig mit einem Auto irgendwo an den Straßenrand stellen durften, um vollkommen zufällig ein Blitzlicht auszulösen. Die hatten dafür hoch spezialisierte Tarnanzüge, damit sie aussahen, wie ein Mensch. In Uniform!
Oder Butterkeks… die durfte einfach im Büro bleiben und Spam-E-Mails erfinden.

Zimtstern gab ihm einen freundschaftlichen Schups mit der Schulter.
„Nimm‘s nicht so schwer und werf‘ einen Blick auf den Kalender.“
Pumpernickel stutze.
Was meinte sie?
Zögerlich öffnete er die Kalender-App auf seinen Tablet. Achja, morgen war der erste Dezember!  Dann ging am Nordpol endlich wieder der Endspurt bis Weihnachten los und die Wichtel durften alle ihren angedachten Tätigkeiten nachgehen!
Beim Gedanken an die Weihnachtsbäckerei war Pumpers Stimmung sofort ins Gegenteil gekehrt und er strahlte vor Freude.
„Ich danke dir!“, umarmte er Zimtstern und drückte ihr völlig unbedarft einen Kuss auf die Wange. Dann wandte er sich um und rannte wie ein geölter Blitz in Richtung Lager. Wo verflucht nochmal waren die schwarzen Plastiktüten versteckt. Zum Glück viel ihm noch auf dem Weg ein, dass man Anfang des Monats ja die neue Logistiksoftware ausgerollt hatte.

Zurück am Whiteboard blieb eine breit und vielleicht ein klein wenig verrückt grinsende Zimtstern mit hochroten Wangen, Schmetterlingen im Bauch und einer herzförmigen Trommel in ihrer Brust.

Suncallers – Ulfrig, Wolfslord (inkl. Kurzgeschichte)

Eigentlich sind meine Space Marines ja nur ein Projekt der Prio … sechs oder so. Gut angesichts des neuen Tau-Releases und dessen Bepreisung mit neuem Kodex und limitiertem Gelände und so schaffen sie es mittlerweile vielleicht auch auf Stufe 5. ;) Auf jeden Fall müssen sie im Vergleich zu vielen anderen Figuren lange anstehen, bevor sie entsprechende Aufmerksamkeit erfahren… normalerweise.
Manchmal jedoch gibt es außer der Reihe ein Ereignis, das Prioritäten umwirft. Zum Beispiel leicht verrückte Französinnen, die plötzlich die einzig wahre Lösung zur Projektfertigstellung gefunden haben, obwohl sie doch bis heute das betroffene EDMS nie benutzt haben… OK, ich schweife ab. ;P
In diesem Fall ist das Ausnahmeereignis der monatliche Malwettbewerb (Völkermalrunden) bei Tabletopwelt und die Tatsache, dass im Oktober Space Wolves auf dem Plan stehen. Da konnte ich – dank ausreichend verfügbarer Malzeit – nicht wiederstehen. ;)

Suncallers - Wolfslord - Ulfrig
Suncallers – Wolfslord – Ulfrig

Ich stelle euch vor: Ulfrig der „Wolfslord“ meiner Suncallers.
Weiter unten gibt es auch etwas Hintergrundstory zu ihm. Ist nicht viel, aber mehr zum von mir erdachten Hintergrund für diesen „Orden“ werde ich irgendwann nachliefern.

Suncallers - Wolfslord - Ulfrig
Suncallers – Wolfslord – Ulfrig

Zuletzt habe ich noch einen blauen Space Marine als Farbschemabeispiel für meine Suncallers (Name jetzt korrekt mit Plural), aber je länger ich darüber nachgedacht habe, umso weniger gefiel mir das Schema?
Warum?
Weil ich mir meine Marines mit etwas mehr Realismus vorstelle. Ich sehe sie als echte Soldaten mit Macken, Fehlern und einem Haufen Problemen und nicht als übermächtige Supermenschen.
Ich habe irgendwo bei irgendeiner Diskussion um den Hintergrund der GW-Publikationen (ich glaube es ging irgendeine exorbitente Tat der Space Marines oder so) einen Kommentar gelesen, der im Grunde beasgte: „Vergesst die ganzen Zahlen, wie sie angeblich offiziell sind. Das ist alles Lüge und Propaganda des Imperiums.“
Mmh… eigentlich ein sehr guter Ansatz für eine wirklich interessante Geschichte und klingt weniger nach einem Teenager der irgendwann in dern 80ern zu viel SÜD und mit ein bisschen Ahnung von Genetik und Physik und so in Science-Fantasy-Fluff umgewandelt hat.

OK, genug gegrandelt.
Meine Marines bekommen zumindest Dinge wie Tarnfarben, die man auch halbwegs so nennen kann. Suncallers – Ulfrig, Wolfslord (inkl. Kurzgeschichte) weiterlesen

Schnipsel: Ein uralter Konflikt

Vor kurzem ist ein neuer Schnipsel entstanden, den ich mit euch teilen möchte.
Ein Schnipsel? Was ist denn das?
Sehr gut Frage. :)

Ein (Geschichten-)Schnipsel ist eine kurze Szene, die mir bei irgendeiner Gelegenheit in den Sinn kam und von mir grob niedergeschrieben wurde.
Es ist einer dieser fixen Ideen, die einem manchmal durch den Kopf gehen, wenn man über eine neue Inspiration stolpert oder einfach einen besonders bekloppten Einfall hat.
Und manchmal entstehen aus Schnipseln sogar ganze Gesichichten. Vorausgesetzt es ist genügend Zeit zum Schreiben vorhanden.

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Lesen. :)

Im Zwielicht der schlecht ausgeleuchteten Halle standen sich die beiden Gestalten regungslos gegenüber. Die langen, wallenden Gewänder der beiden gaben wenig davon preis, um wen oder was es sich bei ihnen drehte, doch sie selbst kannten ihr Gegenüber sehr genau. Seit Jahren wenn nicht sogar Jahrzehnten waren sie erbitterte Erzfeinde und waren noch nie auch nur einen Millimeter gegen den jeweils anderen zurückgewichen.
In der Luft lag ein leises, undeutliches Knistern. Könnte dies ein Vorzeichen für die letzte, epische Konfrontation zwischen den beiden werden?
„Siehst du endlich ein, wie falsch du liegst, und kommst zu uns auf die dunkle Seite?“, flüsterte die schwarz gekleidete der beiden Gestalten mit leicht heiserer Stimme. Die andere schüttelte kaum zu erkennen den Kopf.
„Niemals! Niemals werde ich mich euch anschließen. Eher sterbe ich“, erwiderte die andere Gestalt in dem helleren Gewand.
„Nun gut, dann soll es so sein“, antwortete die schwarze Gestalt trocken und ein klein wenig enttäuscht.
In aller Seelenruhe schob sie einen Teil ihres langen Gewandes zurück und löste ein längliches Objekt vom Gürtel. Weniger als einen Sekundenbruchteil später zuckte eine Klinge aus dunkelrotem Licht aus dem Objekt und gab dem Zwielicht einen leichten, farbigen Schimmer. Unter ihrer Kapuze ließ die schwarze Gestalt einen süffisantes Grinsen aufblitzen und durch ddie neue Lichtquelle wirkten die Falten auf der blassgrauen Haut noch etwas gespenstischer.
Die hellere Gestalt nickte zufrieden und zog ebenfalls ein Objekt vom Gürtel. In beiden Händen halten, drückte die Gestalt einen kleinen Schalter an dem Objekt und summend erschien eine weißlich blaue Klinge aus Licht. Ihr altes Gesicht hinter dem grauen Vollbart sah enttäuscht aus über die Entwicklung der Konfrontation und vielleicht auch ein wenig müde.
Dann von einem Augenblick auf den anderen wechselte die Geschwindigkeit der Szenerie von gelassener wenn auch knisternder Ruhe zu einem schnellen, zuckenden Wirbelsturm aus Licht. Die beiden Kontrahenten stürzten aufeinander zu, schmetterten die Lichtschwerter gegeneinander und wirbelten über Hindernisse hinweg. Manche wurden dabei sogar umgerissen und verteilten ihren Inhalt im ganzen Raum. Keiner der Kontrahenten schien dem anderen wirklich überlegen. Egal wer welches geschickte Manöver startete, der andere setzte einen adäquaten Konter dagegen.
Beide wichen einen Schritt zurück und atmeten durch. Gerade wollten sie erneut aufeinander zustürmen, als eine dritte Person den großen Raum betrat. Im gleichen Augenblick sprangen flackernd die Deckenlampen an und verscheuchten das Zwielicht aus dem Großraumbüro. Mit skeptischem Gesichtsausdruck und einer gehobenen Augenbraue, die selbst Mr. Spock neidisch gemacht hätte, schaute der hinzugekommene Kollege die beiden Kontrahenten an. Beim Anblick der alten Bademäntel, die sie sich als Roben übergeworfen hatten und der demolierten Plastiklineale, die als Lichtschwert-Ersatz hatten herhalten müssen, wäre ihm beinahe der Kaffee aus der Hand geglitten. Ungläubig kopfschüttelnd ging er weiter zu seinem Platz und setzte sich.
„Ihr solltet euch ernsthaft mal bessere Möglichkeiten ausdenken, wie ihr feststellen könnt, wessen Lösung die bessere für den neuste Software ist.“
„Außerdem“, fügte er mit einem Hinweis auf das Chaos der umgeworfenen Monitore, verstreuten Papiere und ramponierten Büropflanzen hinzu, „solltet ihr das aufräumen, bevor der Chef da ist. Eben war er noch damit beschäftigt einen Platz in der Tiefgarage zu suchen.“

Neue Blog-Kategorie: Schnipsel

Hin und wieder habe ich eine kleine Idee, die niedergeschrieben werden möchte.
Eine Szene, die vielleicht nicht groß genug ist für eine ganze Geschichte, aber trotzdem zauberhaft genug für ein paar Zeilen. Ein Charakter, der vielleicht noch nicht so ganz weiß, wohin die Reise gehen soll, aber doch eine verdammt gute Vorstellung davon hat.
Und manchmal fehlt einfach nur die Zeit und/oder Ruhe, um etwas großmächtiger auszuarbeiten. ^^

Für solche Dinge soll es in Zukunft eine neue Heimat an dieser Stelle geben. Die Schnipsel.
Kurze, etwas abgeschnittene Blicke in eine ferne oder vielleicht nicht ganz so ferne Welt eben. Wie Filmschnipsel eben. ;)
Und hier ist auch direkt der erste:

Genüsslich schlürfte Frido an seinem heißen Tee mit Milch und sah durch das Fenster seiner kleinen Werkstatt hinaus in die Stadt. Selbst durch die etwas schmutzigen Scheiben konnte er erkennen, dass sich auch in dieser Nacht nichts gravierendes verändert hatte. Noch immer herrschte das Chaos in den Straßen und Gassen.
Nicht jene Form von zerstörerischem, weltvernichtendem Chaos, das sich mancher vielleicht unter diesem Begriff vorstellte, sondern das subtilere und weniger greifbare, das entsteht, wenn ein Großteil der Bevölkerung mal wieder – halbwegs unbegründet - in Panik ausbricht, an der eigenen Haustür jeglichen Verstand vergisst und sich wie ein Rudel aufgescheuchter Hühner (wohl bemerkt ein Rudel pro panischer Person) in das Getümmel der Stadt stürzt.
Frido war sicher kein Ordnungsfanatiker, aber auch niemand der Chaos auf Dauer gut hieß. Er mochte es, wenn in seiner Werkstatt alles an seinem Platz war. Also entweder in der richtigen Schublade oder eben in genau dem scheinbar chaotischen Stapel Werkzeuge neben seinem jüngsten Projekt, in dem er das gesuchte Stück am Vorabend hinterlassen hatte.
Mit der Gelassenheit einer guten Tasse Tee sah er durch kleinen schmutzigen Scheiben zu, wie gerade weiter unten auf der Straße ein panisches Rudel Hühner in Form eines eiligen Fußgänger von einer dampfbetriebenen Kutsche touchiert wurde, in Folge rücklings auf den Bürgersteig fiel, sich nach kurzem Erstaunen wieder aufrappelte, um wild gestikulierend dem Fahrer der Kutsche hinterher zu schimpfen. Leider übersah er dabei die nächste, bereits anrückende Kutsche – in diesem Fall ein Modell, an dessen Konstruktion Frido nicht ganz unbeteiligt gewesen war – und stapfte weiter schimpfen vor ihr auf die gepflasterte Straße.
Sofort riss der Fahrer jener zweiten Kutsche den Bremshebel an sich und ein Regen orangefarbener Funken entsprang den Bremssätteln des modernen Gefährtes. Doch trotz aller raubkatzenartigen Reflexe des Kutschenlenkers war zumindest den aufmerksamen Beobachtern der Szene – also außer Frido vielleicht gerade mal zwei weiteren Personen, denn der Rest war ja mit seiner eigenen Panik beschäftigt – klar, dass es dieses Mal nicht so gut aussehen würde.
Dennoch oder gerade deswegen konnte sich Frido ein Schmunzeln nicht verkneifen.
Als sich das schimpfende Huhn schließlich herumdrehte und sah, was auf ihn zu kam, wurde er aschfahl und seine Augen weiteten sich zu Untertassen.
Von den umstehenden Passanten, die das Ereignis registriert hatten, gab es zweierlei Reaktionen. Die einen standen sprachlos und mit aufgerissenen Mündern da, während die anderen schon vorsichtshalber den Blick abwanden. Der Großteil jedoch schaute erst gar nicht von seinen Füßen, Notizbüchern oder sonstigen, tragbaren Gegenständen auf und trottete wie üblich weiter.
In relativer Ruhe trank Frido einen weiteren Schluck Tee und presste dann mit sanftem Druck einen der Knöpfe an dem Pult neben dem Fenster. Es war jener mit der Nummer sieben. Die gleiche Nummer, die auch auf dem kleinen, dezenten Schild stand, welches jemand hoch oben an der Laterne angebracht hatte, unter welcher sich gerade der Unfall anbahnte.
Die elektrischen Lichter in Fridos Werkstatt flackerten für einen kurzen Moment und durch die statische Energie des hochfahrenden Kraftfeldgenerators im Keller stellten sich seine Nackenhaare auf. Auf der Straße unter ihm hingegen zuckten goldgelbe Strahlen wie Blitze aus der Spitze der Laterne und hüllten jeden, der sich in Reichweite befand in einen gleichfarbigen, schwachen Schimmer. So auch die dampfbetriebene Kutsche und das aufgeschreckte Huhn, das kurz davor stand von ersterer überfahren zu werden.
Als diese beiden Kontrahenten des morgendlichen Straßenverkehrs in der nächsten Sekunde aufeinandertrafen, passierte jedoch nicht, was alle Beobachter erwartet hatten. Statt den Passanten erbarmungslos zu rammen, prallten die zwei Objekte – Huhn und Kutsche – sanft zusammen, als wären es zwei Federkissen und blieben dann abrupt nebeneinander stehen, als wäre nie etwas gewesen.
Frido nickte zufrieden, drückte erneut den Knopf mit der Nummer sieben, was das Surren und die Strahlen beendet, und setzte seine mittlerweile geleerte Tasse ab. Dann nahm er seine Tweedjacke vom Arbeitsstuhl und warf sie sich über, während er an den kleinen Messingtrichter der hausinternen Gegensprechanlage trat und sie aktivierte.
„Miss Hardow, könnten Sie mir für heute bitte einen der Kraftfeldgürtel heraussuchen.“
Der Apparat knisterte etwas und kurz darauf erklang die leicht blecherne Stimme einer Frau.
„Sehr wohl, Sir. Einen Stufe drei wie üblich?“
Frido drückte erneut auf die Sprechtaste.
„Nein, heute bitte einen Stufe fünf. Nur zur Sicherheit.“
Vom anderen Ende der Leitung hörte man nur noch ein bestätigendes Knacken, also schnappte sich Frido seinen Spazierstock und seinen Zylinder und machte sich auf den Weg die Treppe hinab. Schließlich hatte er an diesem Vormittag jede Menge Termine in der Stadt zu erledigen. Hoffentlich mit wenig Geflügelkontakt.

Königreich Ovenstede – Romanauszug – Kapitel 3

Willkommen zurück im Königreich Ovenstede.
Ein weitere Meilenstein, den ich mir gesetzt habe, ist geschafft und führt uns ein weiteres Mal zu den Abenteuern der bereits bekannten Paladina Aylohna. Dieses Mal wieder in ihre Vergangenheit. Um genau zu sein in das Alter von nicht ganz 17 Jahren.

Während der Überarbeitung habe ich kurzzeitig überlegt, ob ich – aufgrund der Länge von 37 Seiten – zwei Kapitel daraus machen soll. Das hätte allerdings diese kleine Geschichte in der Geschichte auseinander gerissen. Trotzdem würde mich eure Meinung interessieren.
Gleiches gilt für eventuelle Fehler … streichen wir das … Fehler, die ich sicher hier und da eingebaut habe.
Falls ihr einen entdeckt, bitte kurze Info mit angezeigter Seitenzahl (oben rechts) und Zeilennummer an mich. Danke. :)

Weitere Worte spare ich mir.
Habe heute auch noch genu anderes vor. Einkaufen zum Beispiel. ;)
Achja, im nächsten Kapitel lernen wir dann einen neuen Charakter der größeren Geschichte kennen. :)

LINK: [Roman] 2014-09-13 – BETA – „Freunde kannst du wählen, Verwandte nicht.“ – Kapitel 3

[3] Jugendsünden

Die Sonne biss Aylohna in den Augen und zum wiederholten Mal versuchte sie sich diese eine lästige Haarsträhne aus dem Gesicht zu streichen, doch immer wieder fiel sie zurück vor ihre Stirn, als wollte sie sich dafür rächen, dass man sie kurz geschnitten hatte. Das Kitzeln auf der Haut machte sie fast wahnsinnig. Ob sie sich jemals an die neue Kurzhaarfrisur gewöhnen würde? Ihrem Gefühl oder wohl eher ihrer Erinnerung nach trug sie immer noch die beiden geflochtenen Zöpfe. Doch das war Mädchenkram und schließlich war die mit ihren sechzehn Jahren schon so gut wie erwachsen. Seit ein paar Wochen hatte sie es sogar aus dem Tal und aus der Festung heraus geschafft. Der Phoenixorden hatte sie für ihre weitere Ausbildung Leonard, einem reisenden Paladin, zugeteilt. Soweit sie es einschätzen konnte, ging er schon deutlich auf die vierzig Sommer zu, und auch wenn er den Reaktionen der anderen Paladine nach ein angesehenes Mitglied des Ordens war, hätte sie sich besseres vorstellen können, als fortan einen so alten und manchmal etwas arg verbohrten Mann zu begleiten. Vielleicht hoffte man dadurch ihre etwas wildes Gemüt in Zaum zu halten. Während sie in den ersten Jahren noch eine schüchternes, fast brave Rekrutin gewesen war, loderte seit ein paar Jahren ein kleines Flämmchen in ihr, das nach mehr verlangte und daher hin und wieder mit der Obrigkeit aneinandergeraten war. Eine Entwicklung die auch nicht ganz unbeteiligt am Wechsel ihrer Frisur gewesen war.