Peters Versuchslabor: Günstige, schnell härtende Silikonformen

Auf meiner Suche nach einer günstigen und möglichst einfachen Möglichkeit gewisse Ergebnisse meiner Hobby-Aktivitäten schnell und simpel duplizieren zu können, bin ich vor einer ganzen Weile auf diese Fotoanleitung bei Facebook gestoßen, in der mit Silikon aus dem Baumarkt Abgußformen erstellt werden können.
Leider fehlten aber wohl ein paar erklärende Details, denn meine Formen habe zwar prinzipiell funktioniert, doch nicht so gut, nicht so schnell und vor allem war es immer eine große Sauerei. ;)

Als Alternative gibt es natürlich Gießsilikon oder anderes 2-Komponenten-Solikon wie zB von PK-Pro, doch so gut wie das Zeug ist, ist es leider auch verdammt teuer.
Da war ich ganz froh, dass ich die Tage auf eine ganz andere Möglichkeit gestoßen bin: Oogoo (so wurde es zumindest von seinem „Schöpfer“ getauft). Hier habe ich auch von einer weitere Alternative (Sugru) erfahren, aber die hat wohl das gleiche Preisproblem, wie die anderen. Recherchiert habe ich bisher nicht.

Das musste ich direkt mal ausprobieren. ;)

Zutatenliste:

– klares Baumarktsilikon (plus Silikonspritze, falls noch nicht verfügbar)
– Speisestärke / Maisstärke
– nen Behälter und was zum Umrühren
– was zum Einfärben (Die Anleitung verwendet Ölfarbe auf Leinölbasis. Ich habe einfach Abtönpigmentkonzentrat genommen, das ich noch da hatte)

und natürlich etwas zum Abformen.
Die hier zum Beispiel:

"Hesco"-Rohlige fertig zum Abformen
„Hesco“-Rohlige fertig zum Abformen

Diese drei „Knubbel“ stammen aus meinen Bauversuchen für Hesco-Befestigungen und sind auf einer stablien, durchsichtigen Plastikfolie (nen Stück ehemaliger Verpackung) festgeklebt.
Zu diesen Hesco-Befestigungen gibt es wohl auch bald einen Artikel. Im Augenblick bin ich abe rnoch nicht weit genug fortgeschritten damit.

Ein paar Worte zum Silikon

Das verwendete Silikon
Das verwendete Silikon

Mit einer klaren Ansage zum Silikon tue ich mir schwer. Die Anleitung spricht von „silicone caulk“ mit „vinegar smell“ und es soll klares sein.
Nun, ich habe zwei Sorten Silikon probiert.
Eine billige Sorte vom Hornbach. Weiß (weil damit falsch ins Regal gegriffen) und mit irgendeinem Pilzhemmer drin. Kosten 5 oder 6 Euro pro Tube, wenn ich mich richtig erinnere. Das hat nicht funktioniert…
Die andere (die oben abgebildete) gab es vor kurzem beim Lidl für 1,99 Euro / Tube. Die ist erstens Transparent und zweites ist von „sauervernetzt“ die Rede. Mit dieser zweiten hat es funtioniert.

Ob jetzt das Silikon unterschiedlich ist oder die Farbe oder der Pilzhemmer den Unterschied ausmachen, kann ich nicht sagen. Falls ich doch noch den entsprechenden Geistesblitz haben sollte, gebe ich Bescheid. ;)
Nach Essig riechen auf jeden Fall beide, während sie hart werden.

Die verwendete Stärke
Die verwendete Stärke

Bei der Speisestärke kann man scheinbar nicht viel falsch machen. Das von Dr Oetker war das erste, das ich im Real entdeckt habe. 400g für 1,80 oder so und aus Mais wurde sie auch noch gemacht.
Soweit ich die organische Chemie im Gedächtnis habe, sollte auch andere den Zweck erfüllen. Ich denke, dass Maisstärke in den USA einfach viel, viel gängier ist, als hierzulande und sie deshalb in der Anleitung genannt wird.

Anrühren der Silikomasse

Schritt 1: Silikon einfüllen
Schritt 1: Silikon einfüllen

Als erstes die gewünschte Menge Silikon in den Behälter pressen. Anfangs habe ich Plastikbecher verwendet, doch mittlerweile bin ich zu einem alten Glas übergegangen. Da pappt die gehärtete Masse zwar hinterher auch bombemfest dran, aber zum Rühren ist ein stabiler Behälter von Vorteil.
Außerdem sollte der Behälter nicht zu klein sein, sonst gibt’s Sauerei beim Mischen.

Schitt 2: Farbepigmente
Schitt 2: Farbepigmente

Danach habe ich ein par Tropfen Farbe hinzugegeben. Bei dem Konzentrat wäre vermutlich auch weniger ausreichend, aber ich bin da nach „Frei Schnauze“ vorgegangen.
Das Einfärben der Silikonmasse dient vor allem dazu, dass man besser erkennen kann, wann man wirklich eine gleichmäßge Mischung erreicht hat.

Schritt 3: Speisestärke
Schritt 3: Speisestärke

Nun kommt Spiesestärke zu den vorherigen Zutaten hinzu.
In der Originalanleitung ist die Rede davon
1) nach Volumen zu mischen und
2) 1:1 ist das Standard-Mischverhältnis, dass die Masse in wenigen Minuten aushärten lässt. Je weniger Stärke man verwendet, umso länger wird die Verarbeitungszeit.

Von mehr Stärke ist nirgends die Rede und ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es auch eher ungünstig wäre. Mischt sich schlecht.

ACHTUNG:
Vor nächsten Schritt ein kleiner Sicherheitshinweis.
Bei Mischen dieser Masse tritt mehr „Essigdampf“ aus, als bei der regulären Silikonaushärtung. Ich glaube nicht, dass er gesundheitsschädlich ist (wenn ich meinen Wasserkocher mit Essigessenz entkalke riecht es nicht anders ;) ), aber man sollte besser gut lüften, während man das Zeug herstellt.

Schritt 4: RÜHREN!
Schritt 4: RÜHREN!

Ab hier heisst es, kräftig rühren.
Eisstiele aus Holz empfehlen sich als Rührinstrument, aber stellt euch daraud ein, dass schnell mal einer durchbricht. Die entstehende Masse ist nicht unbedingt leichtgängig. ;)

Anfangs sieht es nicht unbedingt danach aus, als ob sich Stärke und SIlikon wirklich vermischen möchten, doch mit ein wenig Geduld stellt sich nach und nach doch etwas wie das oben gezeigte Ergebnis ein.
Wie schon oben angesprochen: Nicht unbedingt die Nase über den Behälter halten. Stinkt und beißt etwas. ;)

Formen erstellen

Einschmieren der abzuformenden Gegenstände
Einschmieren der abzuformenden Gegenstände

Die enstandene Silikonmasse ist relativ zäh und klebrig, aber lässt sich durchaus brauchbar auf den abzuformenden Objekten verteilen. Weil sie aber nun mal eben etwas widerspenstig ist, sollten die Objekte gut befestigt sein.
In diesem Experiment habe ich die einfach auf der Folie mit Sekundenkleber festgeklebt. Nicht unbedingt die beste Lösung, aber hat funktioniert. ;)

Ein paar fertige Formen
Ein paar fertige Formen

Wenn alles eingeschmiert ist, heißt es warten.
Bei meiner Mischung dauerte es etwa eine halbe Stunde, bis die Formen eine gute Festigkeit erreicht hatten und nicht mehr großartig klebrig waren. Im Normalfall kann man sie dann auch schon direkt entformen, aber es kann auch nicht schaden, noch länger zu warten.
Tage wie bei regulärem Silikon sind aber nicht notwendig. Selbst dickere Werkstücke sind ruckzuck fest. Nicht hart, sondern wie sehr festes Gummi.

Wer genau aufgepasst hat, hat auch sicher erkennt, dass der rechte Knubbel glatter ist, als die anderen drei.
Das hat damit zu tun, dass die linken drei durch Aufschmieren erstellt wurden, während der rechte aus den Resten der Mischung besteht.
Während ich die ersten drei (die ursprünglich geplanten) fertig gemacht habe, hat der Rest Silikon soweit augezogen, dass er immer noch gut formbar, aber nicht mehr so klebrig war, wie zuvor. In diesem Zustand eignet sich die Masse auch sehr gut zum Erstellen von Formen. Ich finde es aktuell aber schwierig den passenden Zeitpunkt zu erreichen. Wartet man zu lange, ist nämlich die gute Formbarkeit futsch.
Auf der anderen Seite kann es sich lohnen, es auf einen Versuch ankommen zu lassen. Man sollte dann allerdings Latexhandschuhe verwenden, denn die Reste von den Händen wieder ab zu bekommen, ist etwas lästig. ;)

Auf links gedrehte Formen
Auf links gedrehte Formen

Die Abformgenauigkeit der Masse ist sehr gut. Je nachdem wie sauber man es schafft zu arbeiten, gibt es gelegentlich ein paar Macken in den Formen, aber da ich sie hauptsächlich für Gipsabdrücke verwende, kann man das hinterher wieder gut ausgleichen.
Hier ein paar Beispiel.

Beispiele - Gipsabgüsse aus den Formen
Beispiele – Gipsabgüsse aus den Formen

Wie man auf dem Bild halbwegs sehen kann, werden sogar die Sandkörner ausreichend abgeformt.

Beispiele - Gipsabguß - Detailansicht
Beispiele – Gipsabguß – Detailansicht

Hier auf den Nahansichten sieht man es auch nochmal sehr gut.
Und mit diesen Silikonforman kann man nicht nur so einfache Dinge abformen, sondern auf etwas komplexere, wie diese kleine Abfalltonne, die ich mal gebaut habe. Bei starken Hinterschneidungen dürfte es aber schwer werden.

Drei Stufen des Silikonabgusses: Original, Form und Abguß
Drei Stufen des Silikonabgusses: Original, Form und Abguß

Gut, das war’s erstmal wieder von mir.
Falls jemand selsbt Erfahrungen mit diesem Zeug gemacht hat, würde ich mich sehr über etwas Feedback freuen.
Oder hat jemand Fragen dazu? Dann immer her damit.

Gruß
Peter

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11 Kommentare zu “Peters Versuchslabor: Günstige, schnell härtende Silikonformen”

  1. Sehr gutes Tutorial. Wie sieht es eigentlich mit dem Abgiessen von bereits bemalten Modellen aus. Hab mir ne Selbstfahrlafette gebaut und schon bemalt. Würde dabei die Farbe flöten gehen?

    1. Danke dir.

      Das Silikon ist klebrig, aber nicht so hartnäckig, dass es die Farbe ablöst. Denk ich zumindest.
      Hängt halt davon ab, wie gut grundiert wurde, die gut die Farbe getrocknet ist und so weiter. Also alles, was die Haltbarkeit der Farbe beeinflusst.
      Zur Sicheit kann man ja auch noch eine Schicht Mattlack darüberlegen. Bei der kleinen Mülltonne hab ich das zB gemacht, auch wenn es wohl nicht notwendig gewesen wäre. ;)

      Größere Problem wirst du mit komplexen Formen und Hinterschneidungen bekommen.
      Je nachdem wie komplex dein Modell ist, wirst du es also auseinander bauen müssen und vermutlich wird auch eine zweiteilige Silikonform notwendig ganz zu schweigen von dem teureren Gießsilikon (verlinktes Beispiel von PK-Pro siehe oben). Einfach mal danach im Netz recherchieren.
      Die hier beschriebene Variante eignet sich eher nur für einfache Formen.

      Und das wichtigste von allem:
      Man darf natürlich nur Dinge verfielfältigen, auf die man auch das Urheberrecht besitzt. Vereinfacht gesagt: Alle Bestandteile müssen selbstgebaut sein.

  2. Wenn man das Silikon zuvor in spühliwasser gibt klebt es laut YouTube nicht mehr so . Ich würde gerne eine Hand abformen ob das wohl geht was ist wohl für kürzest mögliche Zeit? Kinder sind nicht so geduldig ..,,

    1. Hallo Miri,
      Spüliwasser könnte sicher helfen. Habe es selsbt nie probiert, aber ich meine das ist ein Hausmittel vom Bau zum Fugenglätten.
      Wenn die Hände deiner Kinder abformen willst, würde ich mir aber eher mal Alginat anschauen: https://de.wikipedia.org/wiki/Algins%C3%A4ure#K.C3.B6rperabformungen
      Das sollte auch günstig zu bekommen sein und soltle angenehmer in der Handhabung sein (Stichwort: Essiggestnk vom Silikon).
      Nachteil – soweit ich mich erinnere – die Formen sind weniger haltbar. Ich vermute aber, dass dies das geringste Problem in deinem Anwendungsfall sein dürfte. :)

      Gruß
      Peter

  3. Hallo Peter, kleine Frage nur. Muss ich die Maissärke vorher in warmen oder heissen Wasser lösen? Oder wird nur das Pulver aus der Packung in das Silikon gerührt? Gruß Micha

    1. Hallo Michael,
      ich habe die Stärke einfach direkt aus der Packung verwendet. Da das etwas „staubt“, ist deine Idee sie vorher aufzulösen vielleicht gar nicht so schlecht.
      Ich kenne auch eine Abwandlung des „Rezeptes“ mit Baumarktsilikon, wo White Spirit (Terpentinersatz) zur besseren Verarbeitung des SIlikons verwendet wird. Damit habe ich selsbt auch schon ein wenig experimentiert, aber zufrieden bzw erfolgreich war ich nicht. Stinkt halt sehr, verlängert wieder die Härtezeit und greift außerdem Kunststoffformen etc an.

      Zwei Dinge darf man am Ende aber nie Vergessen:
      1) Das hier war ein Experiment von mir und es ist alles andere als ausgereift.
      2) Ja, man kann Baumarktsilikon für einfach Formen verwenden, aber es bleibt eine kleine Sauerei und wenn man richtig gute Formen möchte, sollte man auf 2-Kompnenten-Gießsilikon zurückgreifen.

      Gruß
      Peter

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